Die bahamische Künstlerin Tessa Whitehead (* 1985 in Nassau) studierte am Central Saint Martins College of Art and Design sowie an der Slade School of Fine Art in London. Anschliessend kehrte sie auf die Bahamas zurück, wo sie heute lebt und arbeitet.
Ihr Werk, das zuletzt in der The National Art Gallery of The Bahamas und ihrer Nassauer Galerie Tern gezeigt wurde, zählt zu den wichtigsten Positionen der karibischen Gegenwartskunst.
Als Multimedia-Künstlerin erforscht Tessa Whitehead in ihren Werken den Dialog zwischen ihren inneren Erfahrungen und der tropischen Landschaft. In ihren Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen verbindet und kontrastiert sie Elemente der bahamaischen Landschaft mit surrealen Figuren und Familienporträts. So entsteht eine autobiografische Perspektive auf Weiblichkeit und Frausein.
Sechs Gemälde aus den letzten Jahren lassen in der Ausstellung bei Grisebach eine Sphäre lebendig werden, in der Erinnerung, bedrohliche Gefühle, Körper und Landschaft ineinander übergehen. In gedämpften Tonwerten und pastosen Schichten formt Whitehead Szenen, die weniger erzählt als vielmehr erinnert wirken. Weibliche Figuren, Schatten, Pflanzen und innere Dämonen verschmelzen darin zu einem Schwebezustand, der die Enge festgeschriebener Grenzen hinter sich lässt.
Whiteheads Malerei verhandelt das Unsichtbare nicht durch Abstraktion, sondern durch Auflösung. Sie entzieht den Dingen ihre feste Kontur und macht so das Dazwischen sichtbar – den Moment, in dem die Wahrnehmung noch nicht festgelegt ist. Ihre Arbeiten führen in eine Welt, in der Licht Erinnerung wird und Erinnerung Licht, und stehen damit exemplarisch für das Leitmotiv von Shapes of the Unknown: das Erkennen durch das, was sich entzieht.