Rund zehn Jahre ist es her, dass New York von der Nachricht aufgeschreckt wurde, wonach die Frick Collection saniert, umgebaut und sogar erweitert werden sollte. Denn solche Maßnahmen können erfahrungsgemäß auch zu recht eitlen Unternehmungen von Museumsdirektoren und ihren Architekten werden. Aber der Stadtpalast, den sich der Stahlbaron Henry Clay Frick kurz vor dem Ersten Weltkrieg nach dem Vorbild der Londoner Wallace Collection als Mischung aus Wohnsitz und Schatzkammer an der Fifth Avenue/Ecke 70th Street hatte errichten lassen, war nicht nur vielen New Yorkern, sondern auch Altmeister-Aficionados aus der ganzen Welt so ans Herz gewachsen, als wäre es das eigene Haus, in dem man verlässlich weiß, was wo ist: links vorn der Raum mit den Rokoko-Szenen von Boucher, zum Central Park hin der mit den frivolen Fragonards, weiter hinten schließlich Vermeer und Velázquez und so weiter. Andererseits: Annabelle Selldorf.